Wie gepeinigte Dämonen jagten die Lichtstrahlen durch den Raum. Unbarmherzig fanden sie ihre Ziele, strichen einen Augenblick lang über sie hinweg und tauchten einen Teil der Masse in blendende Helligkeit. Die Dunkelheit die Ihnen folgte, war für einen Moment absolut. Solange bis sich die Augen wieder an das Zwielicht gewöhnt hatten. 180.000 Lumen war etwa soviel als würde man direkt in eine Sonne blicken. Entsprechend sahen auch die Gäste des Clubs aus. Total orientierungslos. Wer keine Sonnenbrille trug, wurde gerade dann wieder geblendet, wenn sich seine Augen wieder an das Dunkel gewöhnt hatten. Diejenigen die eine Sonnenbrille trugen, konnten wiederum nichts sehen, wenn gerade kein Lichtstrahl über sie hinweg schoß. Denn eine Brille die Lichtstärken in dieser Stärke filtern konnte, mußte schon sehr dunkel sein.
Kaum 15 Sekunden später war der gesamte Raum in Nebel getaucht, der aus Löchern in der Decke herab floß. Die Folge war das es merklich kühler wurde. Der Nebel mußte stark abgekühlt werden, damit er von oben nach unten floß. Doch das kam mir gerade recht. Meine Sachen klebten an mir als hätte ich gebadet. Als ich ganz vom Nebel eingehüllt war, sah ich die Hand vor Augen nicht mehr. Und dann wurden die Stroboskope mit zu geschaltet. Im Takt der Musik hämmerten sie auf mich ein. Totalreflexion. Das Licht schien von überall gleichzeitig zu kommen. Ich genoß es. Langsam hob ich die Arme und schwebte wie auf einer Wolke davon. Als der Nebel sich wieder langsam senkte, fühlte ich mich wirklich als wate ich durch Wolken. Hellblaue Laserblasen und aus dem Boden bzw. dem Nebel auftauchende Holographie-Engel verzückten mich. Ich lächelte eine Holographie an. Sie lächelte zurück. Die Musik gab mir den Rest. Zum Glück hatte ich noch ein paar Qs geworfen, sonst wäre ich jetzt wahrscheinlich melancholisch geworden. So aber schwebte ich zusammen mit den anderen Gästen durch den Raum und genoß die euphorische After-Death Stimmung.
Als sie wieder abgeklungen war begann das Spiel von neuem. Totale Dunkelheit. Dann hier und da rote Laserblitze und Holoflammen die direkt aus der Hölle selbst zu kommen schienen. Ich schien verbrannt zu werden, obwohl ich keine Schmerzen spürte. Trotzdem schrie ich meinen Schmerz heraus. Ich schrie eigentlich alles heraus, was ich hatte. Genau wie die anderen Gäste. Um den ohrenbetäubenden Lärm stand zu halten, riß der DJ die Anlage noch um ein paar Dezibel mehr auf. Ich hätte nicht gedacht, daß dies überhaupt noch möglich war. Die Bässe waren so hart, daß ich dachte eine Herzattacke zu bekommen. Irgendwann hatte ich mich so in das Gefühl hineingesteigert, daß ich tatsächlich dachte ich hätte eine. Nach einigen Sekunden stellte ich jedoch fest, daß der Diskjockey sein Handwerk sichtlich beherrschte. Er spielte nämlich Herzschläge mit einer Frequenz von 180 BPM. Und dann tat sich das Tor zur Hölle auf. Natürlich nur virtuell, aber so gut gemacht das ich dachte ich würde tatsächlich tot sein. Fratzen und Erscheinungen flogen, um mich herum. Engel, Geister, Dämonen und Teufel. Und wie immer entschied sich das Publikum für die gute Seite und wir flogen wieder ?gen Himmel. Die teuflischen Fratzen verschwanden nach und nach, dafür erschienen kleine fliegende Elfen an ihrer stelle. Sie sausten mit irrsinniger Geschwindigkeit an mir vorbei. So daß ich das Gefühl bekam die Hölle sprichwörtlich unter mir zu lassen. Mich würde mal interessieren was passiert, wenn sich das Publikum für die böse Seite entscheiden und wir quasi in die Hölle hinabgleiten würden. Das habe ich noch nie erlebt. Obwohl ich hunderte male hier war und immer wieder diesem Schauspiel beigewohnt hab, konnte ich dieses bisher noch nicht beobachten. Ich fragte mich ohnehin, wie das Publikum sich überhaupt entscheiden konnte. Rein technisch natürlich. Möglicherweise gab es ein Programm das registrierte, ob die Besucher sich mehr auf die Engel oder die Teufel konzentrierten. Hmm, wie auch immer. Jedenfalls hatte ich jetzt wieder etwas worüber ich nachdenke könnte. Grund und Ausrede genug mich selbst an die Bar zu verfrachten.
Als ich die Stufen der Unterwelt erklomm und den Weg in die Bar einschlug, fragte mich ein Wächter wo ich hin wollte.
"Ich muß an die Oberwelt. Ich hab da ein Problem über das ich nachdenken muß."
"Und das wäre ?"
"Ich frage mich was passiert, wenn wir uns zum bösen entscheiden."
"Du darfst passieren."
Mein Glück. Denn seit Stunden war mir nichts eingefallen. Also mußte ich weiter tanzen. Immer weiter. Solange bis mir endlich eine plausible Erklärung einfallen würde, die Unterwelt zu verlassen. Oben angekommen ging ich in Richtung Bar. Hier waren keine Holos mehr. Schließlich konnte es sich nicht jeder Diskothekenbesitzer leisten sein ganzes Gebäude in eine Hightech Area zu verwandeln. Zwar hatte inFX die Preise für Holos im letzten Quartal deutlich gesenkt, doch die Programmgenerierung war immer noch eine kostspielige Angelegenheit. Ich setzte mich auf einen Barhocker. Natürlich nicht, ohne vorher auch zu prüfen, ob er real war. Mir ist es einmal passiert das ich mich auf eine Holographie gesetzt habee. Seitdem nie wieder. "Hy Necron, kann?ste noch nicht mal ?n Holo von ?ner Echten Unterscheiden ?" hieß es da nur und alle brachen in schallendes Gelächter aus. Verdammt, warum mußte das ausgerechnet auch mir passieren ? Nachdem ich doch mein Image so sorgfältig als White_Hacker aufgebaut habe ! Zum Glück ist das wohl schon jedem mal passiert. Sonst hätten sie mich aus dem Club wohl auf Lebenszeit gebannt. Schließlich durfte hier nur gastieren, wer Szene war und was auf sich hielt. Der Club war angesagt und jeder wollte hier dazu gehören. Ob man nun behauptete man sei Künstler oder man arbeite in einer großen Bank in leitender Position und versuche mit Bankmitteln den Regenwald zu retten, war unwichtig. Wichtig war, das man jemanden darstellte und etwas bewegte. Es war auch im Grunde egal was man bewegte. Solange es gut war natürlich. Nicht umsonst hieß der Club Escape from Hell.
Ich parkte mich auf einen Barhocker in einer Ecke, bestellte ein Bier und begann mir einen Joint zu drehen. Nach den Aufputschenden Qs brauchte ich jetzt erstmal was zur Beruhigung. Außerdem war es im Gegensatz zu der Chemie sogar legitim.Während ich dann so da saß und gemütlich rauchte, beobachtete ich die Hektik um mich herum und gab jeder Droge einen Namen. Der Muskelprotz mit dem kurzen Haar, Weesler, nahm Amphetamine und spritze sich Fötalgewebe. Die Schlampe vor mir, war vermutlich auf Koks. Sie sah aus wie eins dieser Dinger, daß darauf wartete von ihrem Prinzen gefunden zu werden.Als sie beim Barkeeper bestellte, sah ich mir ihre Zähne genauer an. Sie hatten die Abnutzungserscheinungen, wie es für Koks typisch war. Die ?eine Welt Fraktion? war auch wieder da. Zumindest nannte ich sie so. Klamotten aus der vorletzten Dekade. Benutzten weder Gel noch Rasierer und stanken auch zumeist etwas muffig. Ich hatte mich einmal mit ihnen unterhalten. Generell waren sie zwar in Ordnung, aber total unrealistisch. Meist ging es bei ihnen, um biogenetische Veränderung in Nahrungsmitteln und was man dagegen tun könnte. Dabei würde vermutlich die Hälfte von ihnen erkranken, sollten sie einmal genetisch nicht verändertes Gemüse zu sich nehmen. Sie rauchten nur Gras.
Die meisten waren jedoch auf Q. Und zwar ziemlich heftig. Sie konnten weder sitzen noch längere Zeit an einer Stelle stehen bleiben. Checkten von hier nach da, sagten etwas zu irgendjemanden der grad in der nähe war und fuchtelten dabei wild mit den Händen herum. Immer im Takt der Musik. Sie waren harmlos.
Dann gabs natürlich noch die Betrunkenen. Manche hingen auf einem Sofa und ließen sich bedröhnen. Andere markierte den großen Macker und quatschten sich selbst froh.
Die Bar selbst war recht düster. Rotes und Blaues Neonlich als Lampen über den Tresen. Dahinter ein im grünen Neon angeleuchteter Wasserfall. Ab und zu blitze eine Projektion auf. Zu kurz um zu erkennen, was es ist. Perfekter Raumklang von der Musik des Dungeons. Die Boxen waren gut versteckt. Meist wurden sie mit einem Holo überdeckt, so daß es aussah als wären sie eine Zigarettenschachtel oder ein PDA. Insgesamt eine recht schmuddelige Atmosphäre. Überaus gemutlich will ich meinen.
Es sah zwar dreckig aus, aber es war blitzsauber. Seitdem sich mal jemand einen Pilz oder sowas hier geholt hatte, waren die Auflagen sehr hoch gesetzt worden. Es konnte wohl nie wirklich nachgewiesen werden, daß er sich das hier geholt hatte, aber die Schadensersatzforderung mußten trotzdem recht hoch gewesen sein. Seitdem ist das Hell sauberer als ein Krankenzimmer in der Universitätsklinik. Denoch konnte das alte Flair nahezu identisch erhalten werden.
[...]
Vor 6 Jahren tauchte Saucer erstmals auf, der erste Rechner mit quantentechnologie und später noch holooptischen Speicherbänken. Diese Speicherchips revolutionierten die gesamte Computerbranche mehr noch als die Quantenrechner. Nunmehr gab es nämlich keinen Unterschied mehr zwischen Festplatten und Hauptspeicher. Diese Technologie war um ca. 80000% schneller als bisherige RAM-Bausteine und besaßen mehr Speicherplatz als 100 DVD?s. Die Rechenkraft des Systems wurde dadurch im Grunde genommen nicht erhöht, nur der Datenfluß optimiert. Somit mußte der Prozessor quasi nicht mehr auf die Daten von der Festplatte warten, sondern sie waren direkt da. Durch die enorm kurze Zugriffszeit auf die Daten konnte man jetzt auch sehr große komplexe Programme schreiben. Grade bei Datenbanken fiel dieser Vorteil besonders ins Gewicht. Man mußte fortan bei einer Suchanfrage auf die Datenbank nicht warten, bis jeder Sektor der Festplatte abgefragt worden ist und die Daten in den Hauptspeicher transferiert wurden, sondern hatte gleich alle Daten im Hauptspeicher.800 Terabyte RAM sind schon eine feine Sache. Dabei hab ich nur einen ganz normalen Homecomputer. Ich will erst gar nicht wissen was die großen Industrierechner haben oder gar die Militärs.
Auch mit meinem 12 Gigaherz Risc-Prozessor bin ich ganz gut dabei. Seit dem auftauchen der holooptischen Speicherbänke sind Risc-Prozessoren mit ihrer hohen Durchsatzrate wieder stark geworden. Zwar hatte man weniger Befehle zur Verfügung, doch diese werden im Fließbandverfahren weitaus schneller abgearbeitet. Und da die Befehle ja nicht mehr von der langsamen Festplatte ausgelesen werden müssen, konnten sie ihre ganze Kraft entfalten. Das ganze dann noch kombiniert mit einem guten Betriebssystem und man konnte Computerspiele spielen, die der Realität schon ziemlich nahe kamen. Dabei wurde das Gesicht des Spielers eingescannt und auf die Hauptfigur gesetzt.
So wie es früher zweidimensionale Scanner gab, um ein Bild oder einen Text ein zu scannen, so gab es heute natürlich dreidimensionale Scanner. Eine Weiterentwicklung der Bildscanner waren die passiven motion-capturing Scanner. Diese konnten die Gestik und Mimik eines Menschen überwachen und reagieren. So hatte ich zum Beispiel meinen Rechner so programmiert, daß er meine Windows-Nuker startete, wenn ich mit einem Mittelfinger in Richtung eines der Fenster in meiner Wohnung zeigte. Die Windows-Nuker setzte ich immer dann ein, wenn ich mal wieder Lust bekam einen Rechner mit einem Windows Betriebssystem abstürzen zu lassen. Doch das ist eine andere Geschichte und die erzählen wir ein andermal.
Die meisten Anwender hatten ihren herkömmlichen Bildschirm mit einem holographischen Projektor getauscht. Das Holo war eine dreidimensionale Darstellung der Benutzeroberfläche eines Terminals. Daten werden dabei direkt in den Raum projiziert. Von hier aus konnte er man machen. Anrufe, Transaktionen oder eine Pizza bestellen. Es war zudem eine interaktive Simulation seiner Umgebung. Die Pmc-Scanner konnten feststellen, ob sich eine Hand innerhalb der Holographie befand und ein bestimmtes Icon "berührten".
Die Auflösungen hing von der Größe der Projektion ab. So konnte man einen holographischen Barhocker beispielsweise auch 5 Meter groß machen. Allerdings litt die Qualität dann natürlich stark darunter. Wenn er andererseits nur 8 cm groß ist, ist die Auflösung natürlich absolut phantastisch. Filme wurden meist in 160 mal 90 Zentimetern großen und 90 Zentimetern tiefen Würfeln abgebildet. Interaktive Schreibtische zumeist auf 60 mal 40 Zentimetern. Wer hatte schon Lust durch den Raum laufen zu müssen, nur um eine holographische Schublade zu öffnen oder ein Programm zu starten ?
Mittlerweile wurden diese jedoch immer mehr durch sogenannte Personal Assistants abgelöst, PAs. Virtuelle Avatare mit denen man sprechen und interagieren kann. Sobald man sie ansieht werden sie aktiviert und fragen was man für einen tun kann. Das können triviale Aufgaben sein, wie Emails abzurufen oder ein Diktat aufzunehmen und es zu verschicken. Aber man kann sie auch beauftragen einen Vertrag auf mögliche unrechtmäßige Klauseln zu untersuchen. Dabei kontaktiert der Avatar verschiedene Rechtsdatenbanken und vergleicht zunächst einmal den Vertrag mit anderen ähnlichen Verträgen. Findet er nichts, untersucht er die einzelnen Paragraphen und reduziert sie auf eine fast mathematische Formel, löst diese so gut es geht auf und versucht aus den Rechtsformeln des geltenden Gesetztes diese zusammen zu setzten. Findet er einen Widerspruch, meldet er es.
Entsprechend sind auch die Menschen die einen solchen Avatar haben, natürlich recht Abhängig von ihm geworden. Ginge es nach den Megakonzernen sollte bald jeder einen solchen Personal Assistant haben. Für mich ist es ein Horrorszenario, wenn ich mir vorstelle, wie Kinder bereits mit diesen Avataren groß werden würden. Die totale Verdummung würde eintreten. Jeder könnte einen Avatar benutzen, aber kaum noch einer programmieren. "Hey Avatar mach mal meine Schulaufgaben !" - "Ihre Schulaufgaben wurden gemacht und an ihren Lehrer verschickt. Piep ". "Hey Avatar, besorg mir mal ?n Kilo Dope" - "Der örtliche Drogendealer wurde kontaktiert und die Bestellung aufgegeben. Piep ". Naja ok, letzteres ist vielleicht ein bißchen übertrieben. Fakt ist jedoch, das ein Anwender eigentlich nichts über die Programme und was sie sonst noch so alles machen weiß. So könnten diese zum Beispiel unbemerkt sämtliche finanziellen Transaktionen an das Finanzamt zur Prüfung weiterleiten oder Rechtsüberschreitungen direkt der Polizei melden. Überwachung total. Und das ohne das Wissen der Anwender, da sie ja keine Ahnung haben von dem was in ihren Rechnern wirklich passiert.
So ist auch zum Beispiel seit jeher der Netzwerkadministrator einer Firma der eigentliche Chef dieser. Er weiß ganz genau, was welcher Angestellter zu welcher Zeit gemacht hat. Wenn er will kann er auch herausbekommen wieviel jeder verdient usw., seine kompletten persönlichen Daten eben. Von ihm hängt es ab, ob alles reibungslos funktioniert, die Kommunikation zwischen Menschen und Maschinen. Und in der heutigen Zeit in der persönliche Avatare immer beliebter werden und Spezialisten bzw. Programmierer immer rarer, fragt man sich natürlich - wer sind denn diese Programmierer überhaupt ? Im Grunde genommen doch die, die unsere persönlichsten Dinge wissen könnten, wenn sie nur wollten. Sie könnten in einen Computer einbrechen und mit Hilfe der passiven motion-capturing Scanner die überall angebracht sind, beobachten was irgend jemand grade macht. Und natürlich auch zuhören. Denn schließlich sind auch Mikrophone mit dem Computer verbunden, um mit dem Rechner per Spracheingabe interagieren zu können. Big Brother ? Kein Traum, sondern wahr gewordener Wirklichkeit. Schon heute, wissen nur vergleichsweise wenige, wie diese Technologie funktioniert. Wenn jedoch kleine Kinder bereits damit aufwachsen würden, nicht auszudenken wie es in 20 Jahren aussehen könnte.
Ich gehörte zu einem kleinen Kreis die ein Betriebssystem von Hobbyprogrammierer benutzten. Sehr qualifizierte Hobbyprogrammierer allerdings. Das besondere an diesem Betriebssystem war, das die Programmierung für alle offen und einsichtig war. Man konnte sich - wenn man die Programmiersprache verstand - genau ansehen, wie das Programm funktioniert und was es alles macht. Man konnte es auch auf seine eigenen Bedürfnisse anpassen und umprogrammieren. Oder man konnte ein vollkommen neues Programm erzeugen und es dann wiederum jedermann zugänglich machen. Dementsprechend gab es täglich Dutzende von Updates von Programmen bei denen dies oder jenes verbessert wurde oder komplette Neuerscheinungen. Da man damit jedoch kein Geld verdienen konnte waren es meist nur sehr kleine Veränderungen oder Programme. Zwar hatte diese Art von Betriebssystem kaum Fehler oder Bugs vorzuweisen, jedoch hatte es auch große Nachteile. Die Summe aller Programme ist nämlich sehr komplex und unübersichtlich. Deswegen benutzten es auch nur sehr wenige. Man mußte sich nämlich aus dieser riesigen Flut die Programme heraus picken die man brauchte oder benutzen wollte und zu seinem ganz eigenem kleinen Betriebssystem zusammenführen. Zwar gibt es ein paar Firmen die versuchen Herr über diese Flut zu werden, doch sind diese meist - im Vergleich zum möglichen Gesamtangebot - nur recht gering gehalten. Deswegen benutzen auch die meisten Menschen nur die kompletten Betriebssysteme in denen bereits alles schön integriert ist, was man braucht. So verbringe ich einen Großteil meiner Freizeit damit, in den Archiven der Linux-Systeme herumzustöbern und nachzuschauen, ob interessante Neuerungen für mich dabei sind.
"Jona ? ", so nannte ich meinen Avatar.
"Was kann ich für dich tun ?" erscholl prompt die Antwort. Unmittelbar neben dem Platz den ich für die Film- und Nachrichtenübertragungen reserviert hatte erschien eine durchscheinende Gestalt. Eindeutig weiblichen Geschlechts. Heute war Donnerstag, also trug sie ein rotes Spitzenkorsett, hatte blondes langes wallendes Haar und ungefähr 90 - 60 - 90 an Maße. Allerdings war sie Schwarzweiß und die Qualität des Holos ließ zu wünschen übrig. Wenn ich mal Geld übrig hatte dann steckte ich sie meist in Rechenkraft oder baute meinen Speicher weiter aus. Die Visualisierung der holographischen Daten war mir nicht so wichtig, da ich meist ohnehin am Flatscreen arbeitete.
"Das Übliche." Das Übliche Bestand darin, die Emails meiner verschiedenen Nicknames abzurufen, ein paar Newsgroups nach Keywords zu untersuchen, meine virtuellen Gästebücher auf neue Einträge zu überprüfen, Diskussionsforen auf interessante News zu checken usw. Standard eben.
"Ergebnis: eine Nachricht der Bugtraq - Mailingliste zum Thema Gain Root Access. Beschreibung eines Stack Overflows der bei PHP 7 Anwendungen zum Erhalt der Root-Rechte führt. 434 Postings in de.alt.php.bugs zu diesem Thema. 12 allgemeine Nachrichten an Necron, eine persönliche."
"Persönlich ? Von wem soll die sein ?" Persönlich bedeutet hierbei nichts anderes, als das sie mit meinem geheimen Schlüsselt codiert war, dem ich nur sehr wenige Menschen anvertraute. Die allgemeinen Nachrichten, waren stinknormal und meist in der Form von " Hilfe, Hilfe, wie kann ich das Bankpasswort meines Vaters herausbekommen. Ganz dringend ... blablabla".
"Der Absender ist ihre Schwester. Sollen ich den Wortlaut wiedergeben ?"
"Ja, nur zu."
"Na Kleiner. Justice hat was total cooles entdeckt. Komm doch mal vorbei, wenn du Zeit hast. Da wirst?e echt Augen machen. Stell dir vor er hat letztens ?nen alten Admin von inFX aufgetrieben. Von dem kannste noch was lernen du. Der ist noch mit IP V4 groß geworden und sein erster Rechner war ein ZX 80. Hab ich noch nie von gehört. Aber Justice meinte das wär ne total ultrakrasse Kiste gewesen. Justice wollte die natürlich gleich kaufen, kennst?n ja. Sobald der nur von alter Hardware hört ist der gleich voll weg. Naja jedenfalls wollt er sich noch mal mit ihm treffen, da er noch ein paar alte Sachen hat, die er verscherbeln würde. Bis neulich."
"Cool. Jona ruf doch gleich mal Mantis an und horch mal, ob Justice da ist. Und wenn dann sag Bescheid, er solle nichts ohne mich machen und warten bis ich da bin !" Mantis - das war der Avatar von Justice - erschien kurze Zeit später bei im Zimmer, unmittelbar neben Jona. Sie war irdend so ein Model aus den frühen Achtzigern. Komische Frisur. " Hallo Necron. Vielen Dank für deine Anfrage. Justice befindet sich in seiner Wohnung. Darf ich ihm eine Nachricht zukommen lassen ? "
" Ja, sag ihm das ich unterwegs bin. "
(C) Matthias Schneider